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Dokumentation: Würdigung der Arbeit der Informationsstelle

Rükblick und Ausblick

Im festlichen Rahmen wurde am 14. November 2019 die langjährige Arbeit der Informationsstelle für den Sport behinderter Menschen gewürdigt. In der Villa Donnersmarck in Berlin-Zehlendorf trafen sich Mitarbeiter, Mitglieder des Beirats, ehemalige Mitarbeiter und Wegbegleiter. Da die Informationsstelle Ende 2019 ihre Arbeit beendet, bot die Veranstaltung einen Rückblick auf deren Arbeit mit einer besonderen Ehrung der Leiterin Erika Schmidt-Gotz. Außerdem gab es einen Ausblick auf zukünftige Projekte. Zum Auftakt begrüßte Gastgeber Wolfgang Schrödter die Gäste. Er ist Geschäftsführer der Fürst Donnersmarck-Stiftung.

"Ich freue mich, dass Sie heute hierhergekommen sind, weil es die Tatsache unterstreicht, dass der Sport einer der zentralen Ansätze ist, um eine inklusive Gesellschaft auszuprobieren, zu gestalten, zu erleben und auf Dauer abzusichern. Auf diesem Weg, auf dem wir alle unterwegs sind, hat die Informationsstelle für den Sport behinderter Menschen eine wichtige und nicht zu unterschätzende Rolle wahrgenommen."

Dr. Karin Fehres vom Deutschen Olympischen Sportbund betonte, dass die Idee einer Informationsstelle, die Daten und Fakten zu Sportangeboten für Menschen mit Behinderung sammelt und bereitstellt, entstand, schon lange bevor das Thema Inklusion durch die UN-Behindertenrechtskonvention aufgegriffen wurde. Neben der Idee betonte sie außerdem die Bedeutung der handelnden Personen.

"Wer genau war die Richtige, um diese Idee mit viel Herzblut auch umzusetzen? Es konnte nur eine Person sein, die für das Thema brannte, die überzeugt von ihrer Arbeit war und die beharrlich und verlässlich alles zusammentrug, was man ihr lieferte. Darüber hinaus recherchierte sie noch selbst und führte die Dinge zusammen. In Zeiten, wo Internetdatenbänke und Wissensnetzwerke noch lange nicht zu sehen waren, brachte Erika Schmidt-Gotz schon Informationen so zusammen, dass sie einen Mehrwert für die Suchenden nach geeigneten Angeboten im Bewegungsbereich für Menschen mit Behinderungen hatten."

Aus der Sicht Karin Ferres handelt es sich bei der Informationsstelle um eines der ersten großen Netzwerke der Inklusion.

Der Impuls zur Gründung dieses einmaligen Service entwickelte sich aus frühen Initiativen des Deutschen Sportbundes � daran erinnerte Prof. Gudrun Doll-Tepper, die die Informationsstelle von Anfang an unterstützte und Vorsitzende des Beirates der Informationsstelle ist.

"Man muss aber auch daran erinnern, dass es schon im Laufe der 70er und 80er Jahre sehr viele Bemühungen gab, das Thema Integration und gemeinsames Sporttreiben von Menschen mit und ohne Behinderungen voranzubringen. In dem Zusammenhang erinnere ich daran, dass es eine Broschüre gab. Da ist der Titel ein wenig old-fashioned: �Bewegung, Spiel und Sport Behinderter und Nichtbehinderter. Eine Handreichung des Deutschen Sportbundes�. 1987 veröffentlicht. Da sollten Sportvereine darüber informiert werden, wie man gemeinsam Sportvereine neu ausrichten kann und was dazu alles erforderlich ist. Wir haben damals immer über Integration gesprochen, heute würde man wohl Inklusion sagen."

Damals, also zu Beginn der 80er Jahre, war auch Dr. Franz-Josef Kemper als Mitglied der Sportreferentenkonferenz dabei. Für ihn war das Jahr 1981 von großer Bedeutung. Es war das von der UN proklamierte �Internationale Jahr der Behinderten�. Es brachte einen Aufbruch für Politik und Sport mit weltweit beachteten Großveranstaltungen und wissenschaftlichen Kongressen.

Beim Deutschen Sportbund wurde eine Ad-hoc-Kommission gegründet, die sich mit dem Thema Sport und Behinderung beschäftigt hat. So entstand 1985 die Idee einer Clearingsstelle, so Franz-Josef Kemper.

"Rückblickend war das noch nicht die Geburt aber die Zeugung der Informationsstelle. Im September 1985 tauchte dieser Begriff erstmals in einem Protokoll der Kommission auf � verbunden mit einer Betonung der Wichtigkeit der Koordinierung aller Stakeholder, würden wir heute sagen. Damals gab es den Begriff noch nicht. Es war allen bewusst, da musste etwas in Bezug auf mehr Gemeinsamkeit geschehen."

Und es geschah etwas. Am 15. August 1988 nahm die Informationsstelle ihre Arbeit in Heidelberg auf. Anfang 1991 folgte der Umzug nach Berlin. Hier hatte sie von Anfang an ihre Heimat bei der FU Berlin. Informationen rund um den Sport von Menschen mit Behinderungen wurden gesammelt, zusammengestellt und weitergegeben. Tischball, Sitzfußball, Skilaufen, Rollstuhl-Basketball, Handbike oder Golf. Das Angebot der Informationsstelle umfasst viele Sportarten und die Möglichkeit, den passenden Sportverein in der Nähe des Wohnortes zu finden. Eine große Herausforderung war dabei die Aktualisierung der Daten. Etwas leichter machten es technische Neuerungen, wie Leiterin Erika Schmidt-Gotz beschrieb.

"Um die Informationen zu verbreiten war ein wesentlicher Meilenstein die Entwicklung des Internets. Dadurch, dass die Informationsstelle an der FU Berlin angebunden ist, hatten wir sehr früh die Möglichkeit, eigene Internetseiten zu veröffentlichen. Auf denen konnten wir die Sportangebote zusammenstellen und sie waren relativ leicht für jedermann zugänglich. Wir hatten auch noch die Möglichkeit, die Informationen barrierefrei anzubieten."

In der auf den Festreden folgenden Diskussionsrunde wurde der Blick nach vorne gerichtet. Was bringt die Zukunft in Sachen Sport und Inklusion?
Die Abteilungsleiterin Sport in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport von Berlin, Gabriele Freytag, erwartet durch die Austragung der Special Olympics World Games 2023 in Berlin einen großen Schub und viel Aufmerksamkeit für die Belange des Sports behinderter Menschen. Außerdem hat der Berliner Senat ein Teilhabeprogramm aufgelegt, das Projekte unterstützt, mit denen Menschen mit und ohne Behinderungen beim Sport zusammenkommen.

"Das ist beispielsweise ein Angebot des Bogen-Sportclubs Berlin-Brandenburg, die gemeinsame Sportgruppen aufbauen und fördern. Es kann aber auch ein spezielles Angebot sein, wie Hansa 07 in Kreuzberg. Ein Verein, der gehörlosen Kindern und Jugendlichen ein Sportangebot unterbreitet. Auch das fördern wir. Und auch den Berliner Behindertensportverband, der wiederum ein Beratungsprogramm aufgelegt hat, damit Vereine Inklusionsangebote aufbauen können."

Auch der Präsident des Landessportbundes Berlin, Thomas Härtel, hat das Thema Inklusion mit seinem Verband auf der sportpolitischen Tagesordnung.

"Wir haben jetzt auch eine Vize-Präsidentin, die für den Bereich der Inklusion zuständig ist. Insofern sind wir seitens des Landessportbundes mittendrin. Wir wollen auch über einen ständigen Ausschuss die Inklusion voranbringen. Wir haben dort den Behindertensportverband, verschiedene Vereine und auch aus der Wissenschaft Vertreterinnen und Vertreter einbezogen und versuchen im organisierten Sport Inklusion als das Selbstverständliche umzusetzen."

Wie selbstverständlich Inklusion im organisierten Sport in Deutschland ist, hat eine Länderabfrage des Hessischen Sport-Ministeriums beleuchtet. Dabei ging es um Etats und spezielle Unterstützung für Inklusion im Sport. Das Ergebnis fiel in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich aus. Marina Mohnen ist Referatsleiterin Sport für Menschen mit Behinderung in Hessen. Sie gab interessante Einblicke in einige Aspekte der Untersuchung.

"Dann war die Frage, gibt es spezielle Förderprogramme im Bereich Inklusion? Das ist sehr unterschiedlich. Wir haben gerade gehört, in Berlin gibt es ein Förderprogramm, wo die Inklusion ein Teil ist. Es gibt Länder, die haben gesonderte Programme. Und andere Länder haben gesagt, sie haben keine speziellen Förderprogramme. Es gibt dort aber die Möglichkeit für Vereine, die Inklusion und inklusive Projekte anbieten, über die normalen Förderprogramme Anträge zu stellen."

Die Informationsstelle für den Sport behinderter Menschen beendet zum Jahresende ihre Arbeit. Was kommt danach? Einen direkten Ersatz wird es nicht geben, erklärte Ute Blessing vom Deutschen Olympischen Sportbund. Eine zentrale Sammlung aller Angebote und Termine sei nicht mehr zeitgemäß. Die einzelnen Bundesländer, die Sportverbände und die Vereine seien mit ihren eigenen Internetseiten viel aktueller.

"Der Landessportbund Hessen zum Beispiel hat eine ganze Menge Angebote und diese auf seiner Internetseite. Das können die auch viel besser aktualisieren, als wir vom Bund her. Dort gibt es den besseren Kontakt zu den Vereinen. Das schaffen wir von der Bundesebene nicht so gut. Aber wir arbeiten auch mit der Inklusionslandkarte des Beauftragten der Bundesregierung zusammen. Da haben wir die Vereine motiviert, ihre Angebote einzustellen."

Zudem wurden andere Projekte beim DOSB ins Leben gerufen. Zum Beispiel eine bundesweite Datenbank, die die Angebote der Verbände darstellt, allerdings wendet sich diese eher an Übungsleiter und soll zur Verbesserung der Strukturen beitragen. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde die Leiterin der Informationsstelle, Erika Schmidt-Gotz, ausdrücklich gewürdigt. Gudrun Doll-Tepper erinnerte sich beim Rückblick auf gut 40 Jahre Zusammenarbeit besonders daran, wie alles begann.

"Ich hatte mein Studium beendet als Erika ihr Studium begann. Ich war damals Lehrkraft. Ich habe auch einmal, weil du mir dieses Dokument geschenkt hast, einen Seminarschein gesehen. Da hast du eine Gymnastikprüfung bei uns abgelegt. Das war 1973. Erika, grandios. Kurz darauf hat sie dann noch einen Schein bei mir gemacht. Da ging es um die Förderung von Kindern mit und ohne Behinderung im Sport. Auch diesen Schein haben wir noch, Erika."

Dem schloss sich eine Zusammenarbeit in Wissenschaft und Praxis an, an die Doll-Tepper sehr gerne zurückdenkt. Sie bedankte sich außerdem bei aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern der Informationsstelle, dem Beirat, der Berliner Senatsverwaltung, dem DOSB und der FU Berlin, ohne deren Unterstützung die Arbeit der Informationsstelle nicht möglich gewesen wäre.