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Dokumentationen: Freizeitsport für lernbehinderte Kinder

Zu wenig Freizeitsport für lernbehinderte Kinder

Das vom Europarat ausgerufene Europ�ische Jahr des Menschen mit Behinderung nehmen wir zum Anlass, die bisher wenig beachtete Randgruppe der lernbehinderten Sch�ler ins Blickfeld von Politik und �ffentlichkeit zu r�cken. Rund 7 000 lernbehinderte Sch�ler Berlins erhalten zwar eine sonderp�dagogische Lernf�rderung, werden aber nicht vom Behindertengesetz erfasst. Ihre �u�erlich nicht auff�llige Behinderung ist auch nicht in prozentualen Anteilen bewertbar. Daher findet sie auch keine �ber den Unterricht und einzelne individuelle therapeutische Ma�nahmen hinaus gehende finanzielle Unterst�tzung.

Bild vom Wettkampf der Sonderschulen im FEZ, Februar 2003 Den g�nstigen Lernbedingungen und den sehr unterschiedlichen Gegebenheiten f�r den Schul- und Freizeitsport an den Sonderschulen stehen oft Barrieren bei der Teilhabe am au�erschulischen gesellschaftlichen Leben gegen�ber Diese Kinder werden behindert wegen ihres Andersseins, auch beim dem f�r ihre Sozialisation bedeutsamen Freizeitsport. Eine in den Jahren 1999 - 2002 durchgef�hrte Untersuchung ab Klasse 5 zum Bedarf lernbehinderter Kinder an Breiten- und Freizeitsportangeboten zeigt beachtliche M�ngel auf. Befragt wurden 1 375 Sch�ler in Berlin an 19 Schulen mit sonderp�dagogischem F�rderbedarf, Schwerpunkt Lernen.

Nachfolgend einige ausgew�hlte Darstellungen:

  • Nach statistischen Angaben des Landessportbundes treibt 1/3 aller Sch�ler in Berlin regelm��ig in einem Verein Sport.

  • Nach unserer Untersuchung trifft das f�r die Sonderschulen nicht zu. Hier treiben die Kinder wesentlich weniger in einem Verein Sport. Durch die intellektuellen Schwierigkeiten der Kinder ist zu vermuten, dass die tats�chliche Zahl sogar noch niedriger sein kann.

  • Die positiv pr�genden Eigenschaften einer regelm��igen sportlichen Bet�tigung in Gemeinschaft sind aber gerade f�r lernbehinderte Kinder zur Pers�nlichkeitsentwicklung und Gesundheitserziehung besonders wichtig.

  • In Marzahn-Hellersdorf ist an den f�nf Sonderschulen nur ein Zehntel der Sondersch�ler Mitglied in einem Sportverein!

  • Der Organisationsgrad der M�dchen ist in allen Bezirken noch deutlich geringer als der der Jungen. An der Schule in Zehlendorf ist �berhaupt kein M�dchen in einem Verein organisiert.

  • Die Altersh�ufigkeit der Vereinsmitgliedschaft zeigt eine zunehmende Aktivit�t ab dem 11. Lebensjahr, aber nach dem 14. Lebensjahr ein Zur�ckziehen in andere Aktivit�tsbereiche.

  • Gesundheitssport nach medizinischer Indikation ist f�r ca. 4 % der Sondersch�ler auch eine beachtenswerte regelm��ige sportliche Bet�tigung in ihrer Freizeit. Vergleichszahlen zu anderen Sch�lern liegen nicht vor. Aber es ist zu vermuten, dass sie darunter liegen.


Grafik zum 
       Anteil der Vereins- und Gesundheitssportler an den 
      Freizeitsport treibenden Die geb�hrenfreien offenen Sportangebote in Jugendfreizeiteinrichtungen wie Jugendclubs, Sportjugendclubs und M�dchensportzentren in Anonymit�t, Zwanglosigkeit und lockerer Gruppenbindung sind auch bei den lernbehinderten Sch�lern in der Freizeit sehr beliebt. (Vgl. Grafik 2) Grafik zum Anteil der Jugendclub- und Sportstudiobenutzern
In den Bezirken Marzahn und Neuk�lln, treiben deutlich mehr Sondersch�ler gelegentlich Sport in Jugendfreizeiteinrichtungen, als in den anderen untersuchten Bezirken. In Neuk�lln ist der Nutzeranteil mehr als doppelt so hoch wie beim regelm��igen Vereinssport. M�dchen nutzen die Jugendclubsportangebote deutlich weniger als Jungen. Die Jugendclubs sprechen offenbar die Sportinteressen der Jungen st�rker an. Abgesehen von wenigen speziellen Projekten, finden M�dchen aus fremden Kulturkreisen (Neuk�lln) kaum Zugang.

Weit �ber die H�lfte aller Sondersch�ler sieht sich beim Erschlie�en oder Nutzen von Freizeitsportm�glichkeiten mehr oder weniger behindert.

  • M�dchen sehen zumeist �fters Hindernisse als Jungen.

  • Die geschlechtsspezifische Sichtweise ist am auff�lligsten in Zehlendorf, wo aber insgesamt der Anteil genannter Hindernisse deutlich geringer ist als in anderen Bezirken.

  • Von den von uns zur Auswahl vorgegebenen Hinderungsgr�nden wird "wei� nicht wo" an allen Sonderschulen am h�ufigsten genannt. In Neuk�lln an der Adolf-Reichwein-Schule und in Treptow an der Schule an der Gr�nen Trift wissen sogar mehr als 50 % der befragen Sch�ler nicht, wohin sie sich wenden k�nnen.

  • Die Hemmschwellen "trau mich nicht" und "zu weiter Weg", f�r dieses Klientel besonders bedeutsam, folgten bei der Ermittlung der Hinderungsgr�nde auf den n�chsten Pl�tzen.

  • Die Palette der "anderen Hindernissen" war sehr breit gef�chert, u. a. wurden "darf nicht"; "darf nur in einen M�dchensportverein"; "kein Geld"; "keine Zeit"; "keine Lust"; "kann nichts"; "Krankheit"; "zu strenge Lehrer" oder auch "andere Interessen" genannt. Auff�llig ist in Marzahn und Treptow die H�ufung des Hinderungsgrundes "kein Geld", obgleich das wegen der sozialen Struktur eher in Neuk�lln zu vermuten war.

  • Der Hinderungsgrund "vom Verein schon mal abgelehnt" hat keine beachtenswerte H�ufigkeit ergeben. Feststellbar ist jedoch, dass durch besonders engagierte Lehrer sportlich motivierte Sch�ler eher den oft vergeblichen Weg in einen Verein suchen und in diesen Schulen daher auch h�ufiger Ablehnungen von Sch�lern genannt werden.

Grafik zum 
      Anteil der Sch�ler, die Hindernisse f�r den Freizeitsport 
      nennen

Lernbehinderte Kinder haben die gleichen Freizeitsportw�nsche wie andere Kinder.

Bild vom Wettkampf der Sonderschulen im FEZ, Februar 2003 Pr�feriert werden in allen Bezirken:

  • Gro�e Sportspiele,

  • Kampfsport,

  • Radsport,

  • Schwimmen,

  • Eislaufen,

  • Tanzsport/Rhythmische Gymnastik

  • Federball, Tischtennis


    Von Bezirk zu Bezirk unterscheiden sich nur Rangfolge und Geschlechteranteile. W�hrend bei den Jungen Sportspiele, Kampfsport und Radsport in allen Bezirken auf die ersten Pl�tze gesetzt werden, ist die von Bezirk zu Bezirk differierende Wunschliste bei den M�dchen wesentlich breiter gef�chert. Die Nachfrage nach Leichtathletik, Turnen/Gymnastik, Bootssport und Inlineskating beschr�nkte sich nur auf einige Schulen. Sportarten, die von engagierten Sportlehrern an der Schule besonders gef�rdert werden, bestimmen offenbar auch die W�nsche der Kinder f�r den Freizeitsport.

    In der vorliegenden Untersuchung werden die besonderen Probleme einer bisher zu wenig beachteten sozialen Randgruppe hervorgehoben, um nachfolgend auf allen Ebenen am besseren Zugang zum Breiten- und Freizeitsport f�r diese Kinder zu arbeiten. F�r Ideen und Angebote sind wir dankbar.